Warum IT-Projekte eskalieren, obwohl alle ihr Bestes geben

Kennen Sie das? Das Projekt läuft seit Monaten. Die Teams arbeiten engagiert. Die Technologie funktioniert grundsätzlich.

Und trotzdem hat sich irgendwann der Eindruck eingeschlichen, dass das Ganze aus dem Ruder läuft. Termine verschieben sich. Budgets steigen. Die Stimmung im Steering Committee wird angen Spannt.

Das Frustrierende: Meistens macht niemand seine Arbeit schlecht. Die Ursachen sind strukturell. Und nach vielen Jahren in Transformationsprogrammen sehe ich immer wieder dieselben drei.

Aus dem Projekt wird schleichend ein Programm

Viele IT-Projekte starten klein. Eine neue Plattform, ein Modernisierungsvorhaben, ein Fachbereichsprojekt.

Dann wächst der Umfang. Weitere Systeme werden integriert, neue Anforderungen kommen hinzu, weitere Fachbereiche mischen mit. Was als Projekt gestartet ist, ist längst ein Programm – aber die Steuerungsstruktur ist noch die alte.

Die Folge: Entscheidungswege werden zu lang, Prioritäten sind unklar, und das Steering Committee diskutiert operative Details, weil strategische Leitplanken fehlen. Klassiker.

Architekturentscheidungen werden vertagt – bis es zu spät ist

In frühen Projektphasen werden technische Grundsatzentscheidungen oft bewusst offen gelassen. Das ist nachvollziehbar – vieles ist noch unklar.

Das Problem beginnt, wenn diese Entscheidungen nie getroffen werden. Teams arbeiten parallel an verschiedenen Komponenten, Schnittstellen verändern sich, und irgendwann wird sichtbar, dass bestimmte Weichen eigentlich vor Monaten hätten gestellt werden müssen.

Die Kosten entstehen dann nicht durch die Technologie – sondern durch nachträgliche Anpassungen. Und die sind immer teurer als die ursprüngliche Entscheidung gewesen wäre.

Alle arbeiten – niemand steuert

In grossen IT-Programmen arbeiten Projektleitungen, Architekten, Fachbereiche und externe Partner zusammen. Alle leisten ihren Beitrag.

Was häufig fehlt: eine klare Gesamtsteuerung. Entscheidungen werden in verschiedenen Gremien vorbereitet, diskutiert, zurückgegeben und erneut diskutiert. Das Projekt arbeitet weiter – aber niemand steuert die strategische Richtung.

Das ist kein persönliches Versagen. Es ist ein Governance-Problem. Und es löst sich nicht durch härteres Arbeiten, sondern durch klarere Strukturen.

Eskalationen kommen nie überraschend

Wenn IT-Projekte eskalieren, passiert das nie von einem Tag auf den anderen. Es ist ein schleichender Prozess. Ein paar zusätzliche Anforderungen hier, ein paar Monate Verzögerung dort, ein weiterer Anbieter im Projekt.

Erst nach einiger Zeit wird sichtbar, dass die ursprüngliche Planung nicht mehr zur Realität passt. Wer an diesem Punkt nach Schuldigen sucht, verliert Zeit. Wer die Struktur neu betrachtet, gewinnt sie.

Oft reicht eine ehrliche Antwort auf eine einfache Frage: Wer steuert dieses Projekt eigentlich wirklich?

Eskaliert gerade etwas?