Warum IT-Projekte eskalieren, obwohl alle ihr Bestes geben

Es gibt einen Moment in vielen IT-Programmen, den fast jeder kennt.

Das Projekt läuft seit Monaten.
Die Teams arbeiten engagiert.
Die Technologie funktioniert grundsätzlich.

Und trotzdem entsteht langsam der Eindruck, dass das Projekt aus dem Ruder läuft.

Termine verschieben sich.
Budgets steigen.
Die Stimmung wird zunehmend nervös.

Interessanterweise passiert das oft nicht, weil jemand seine Arbeit schlecht macht.

Sondern weil bestimmte strukturelle Muster entstehen.

Nach vielen Jahren in Transformationsprogrammen sehe ich immer wieder dieselben drei Ursachen.

1. Projekte starten als Initiative – und werden später zum Programm

Viele IT-Projekte beginnen relativ klein.

Eine neue Plattform.
Ein Modernisierungsvorhaben.
Ein Fachbereichsprojekt.

Mit der Zeit wächst jedoch der Umfang.

Weitere Systeme werden integriert.
Neue Anforderungen kommen hinzu.
Weitere Fachbereiche beteiligen sich.

Was ursprünglich ein Projekt war, wird langsam zu einem Programm.

Die Steuerungsstruktur bleibt jedoch oft dieselbe.

Das führt dazu, dass Entscheidungswege zu lang werden und Prioritäten nicht mehr klar gesetzt werden.

2. Architekturentscheidungen werden zu spät getroffen

Ein zweites Muster betrifft technische Architekturentscheidungen.

In frühen Projektphasen werden diese oft bewusst offen gelassen.

Das ist nachvollziehbar, weil viele Anforderungen noch unklar sind.

Im Verlauf des Projekts entstehen dadurch jedoch zunehmend Abhängigkeiten.

Teams arbeiten parallel an verschiedenen Komponenten.
Schnittstellen verändern sich.
Technische Entscheidungen werden immer schwieriger zu korrigieren.

Irgendwann wird sichtbar, dass bestimmte Grundentscheidungen eigentlich früher hätten getroffen werden müssen.

Die Kosten entstehen dann nicht durch Technologie – sondern durch nachträgliche Anpassungen.

3. Verantwortung verteilt sich – aber niemand steuert das Ganze

Der dritte Faktor ist organisatorisch.

In grossen IT-Programmen arbeiten viele Beteiligte zusammen:

  • Projektleitungen

  • Architekten

  • Fachbereiche

  • externe Partner

Alle leisten ihren Beitrag.

Was jedoch häufig fehlt, ist eine klare Gesamtsteuerung.

Entscheidungen werden dann in verschiedenen Gremien vorbereitet, diskutiert und teilweise wieder zurückgegeben.

Das Projekt arbeitet weiter – aber die strategische Richtung wird nicht mehr aktiv gesteuert.

Das ist meist kein persönliches Problem einzelner Beteiligter.

Es ist ein strukturelles Problem der Governance.

Eskalationen entstehen selten plötzlich

Wenn IT-Projekte eskalieren, passiert das selten von einem Tag auf den anderen.

Meist ist es ein langsamer Prozess.

Einige zusätzliche Anforderungen hier.
Ein paar Monate Verzögerung dort.
Ein weiterer Anbieter im Projekt.

Erst nach einiger Zeit wird sichtbar, dass die ursprüngliche Planung nicht mehr zur Realität passt.

In solchen Situationen geht es selten darum, Schuldige zu finden.

Entscheidend ist, die Struktur des Projekts neu zu betrachten.

Viele Programme lassen sich stabilisieren, sobald Entscheidungswege, Verantwortlichkeiten und Prioritäten wieder klar definiert sind.

Oft beginnt dieser Prozess mit einer einfachen Frage:

Wer steuert dieses Projekt eigentlich wirklich?

 

Viele Mandate beginnen mit einem kurzen Gespräch über eine konkrete Situation.