EPILOG – Wenn Infrastrukturprojekte entgleisen: Was eigentlich passiert ist

Teil der Serie “Wenn Infrastrukturprojekte entgleisen”

EPILOG

Das Projekt lief.

Nicht gut. Nicht kontrolliert. Aber es lief.

Infrastruktur wurde aufgebaut. Services wurden eingeführt. Entscheidungen wurden getroffen.

Nur nicht dort, wo sie hätten getroffen werden sollen.

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Die Ausgangslage

Als ich die Projektleitung übernahm, war die Situation nicht untypisch – nur in der Summe besonders ausgeprägt:

  • Anforderungen unvollständig und teilweise widersprüchlich

  • Projektsteuerung formal vorhanden, aber faktisch wirkungslos

  • ein Dienstleister, der das Projekt operativ und inhaltlich führte

  • ein Projektsponsor, der nicht mehr aktiv steuerte

  • zentrale Plattformen ausserhalb der Kontrolle des Unternehmens

Das Projekt war nicht stehen geblieben.

Es war in eine Richtung gelaufen, die niemand bewusst entschieden hatte.

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Die erste Entscheidung

Die erste Massnahme war unpopulär.

Das Projekt wurde gestoppt.

Sofort. Vollständig. Bis auf Weiteres.

Nicht, um Zeit zu gewinnen. Sondern um überhaupt wieder verstehen zu können, wo das Projekt stand.

Ein Weiterlaufen unter den bestehenden Bedingungen hätte vor allem eines bedeutet:

Mehr Geschwindigkeit in die falsche Richtung.

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Was sich zuerst ändern musste

Der erste Schritt war nicht technisch.

Er war strukturell.

Es ging nicht darum, schneller zu liefern. Sondern wieder entscheiden zu können.

Dafür mussten unbequeme Fragen geklärt werden:

  • Wer entscheidet wirklich?

  • Was gehört zum Projekt – und was nicht?

  • Welche Abhängigkeiten bestehen tatsächlich?

Und vor allem:

Wer trägt die Verantwortung – nicht auf dem Papier, sondern im Alltag?

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Die unbequemen Massnahmen

Die notwendigen Schritte waren wenig überraschend. Aber sie waren unbequem.

  • Klärung der Entscheidungsstruktur und klare Eskalationswege

  • Priorisierung und Reduktion des Scopes

  • konsequente Behandlung offener Change Requests

  • Einbindung des Business in die Steuerung, nicht in den Verkauf

  • klare Trennung zwischen Leistungserbringung und Steuerung

Und an einer Stelle wurde es konkret:

Die Kontrolle über zentrale Plattformen musste zurück zum Unternehmen.

Nicht als Diskussion. Sondern als Voraussetzung.

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Was das bedeutet hat

Der Neustart war kein kompletter Neubeginn.

Bestehende Ergebnisse wurden geprüft, bewertet und dort weiterverwendet, wo sie sinnvoll waren.

Es ging nicht darum, bereits getätigte Investitionen zu verwerfen.

Sondern darum, sie in einen Rahmen zu bringen, der steuerbar ist.

Nicht jede Entscheidung wurde sofort akzeptiert.

Nicht jede Massnahme war populär.

Aber das Projekt wurde wieder steuerbar.

Schritt für Schritt.

Mit klaren Verantwortlichkeiten. Mit nachvollziehbaren Entscheidungen. Mit einem Scope, der nicht täglich neu verhandelt wurde.

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Das Ergebnis

Das Projekt wurde abgeschlossen.

Nicht perfekt. Aber kontrolliert.

Die Infrastruktur stand. Die zentralen Plattformen waren unter Kontrolle des Unternehmens. Die Abhängigkeiten zum Dienstleister waren reduziert und klar geregelt.

Vor allem aber:

Das Projekt hatte war wieder steuerbar.

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Was bleibt

Keiner der Fehler war aussergewöhnlich.

Jeder für sich ist in Projekten häufig zu beobachten.

Das Problem entsteht, wenn sie gleichzeitig auftreten – und über längere Zeit nicht korrigiert werden.

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Schluss

Projekte entgleisen selten plötzlich.

Sie entfernen sich schrittweise von dem, was ursprünglich geplant war.

Genauso lassen sie sich auch nicht mit einer einzelnen Massnahme retten.

Sondern nur durch konsequente Entscheidungen.

Oft unangenehm.

Aber notwendig.

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Teil der Serie: Wenn Infrastrukturprojekte entgleisen

Teil 1 – Der Irrtum vom reinen Infrastrukturprojekt

Teil 2 – Wenn Requirements Management fehlt

Teil 3 – Wenn der Dienstleister das Projekt führt

Teil 4 – Wenn der Projektsponsor verschwindet

Teil 5 – Der gefährliche Tenant-Fehler

Epilog